Ein Museum am Pariser Platz gibt Einblick in das Leben der »First Family«
Er war ein Mann, der in jeder Situation eine gute Figur machte: ob beim Segeln oder mit der Tochter am Strand herumtollend, ob im Gespräch mit Bergarbeitern, im Fernsehduell mit Nixon oder beim Empfang an der Seite der Frau von Chruschtschow. Gutaussehend, charmant, ungezwungen, nachdenklich, ein überzeugender Redner und liebevoller Vater und Ehemann: So zeigten ihn „Life“ und andere amerikanische Zeitschriften, und so inszenierte sich John F. Kennedy auch selbst. Er war der erste amerikanische Präsident, der einen eigenen Fotografen einstellte, er ließ sich mit den Kindern im Oval Office fotografieren, er genoss öffentliche Auftritte und ließ auch Pressekonferenzen live übertragen. Im neu eröffneten Museum „The Kennedys“ am Pariser Platz kann man sich noch einmal von der Wirkung dieses jungen, charismatischen Präsidenten überzeugen, an dessen gewaltsamem Tod im November 1963 die ganze Welt Anteil nahm. Es sind vor allem Fotografien, die die Berliner Galerie Camera Work hier zeigt – darunter viele Vintage Prints. Zu den Fotojournalisten, die das Leben der Kennedys festhielten, gehören Größen wie Yousuf Karsh, Cornell Capa, Jacques Lowe, Will McBride und George Tames.
Inmitten dieser Fotogalerie werden persönliche Gegenstände gezeigt wie ein Schlüsselanhänger mit dem Bildnis Papst Pius XII. – Kennedy war der erste katholische Präsident der USA –, die Aktentasche aus Krokodilleder oder Kennedys Lesebrille, die auf den Fotos nie zu sehen sein durfte. Ausgestellt ist auch einer der Pillbox-Hüte von Jackie Kennedy, der schönen First Lady, die von allen Wänden herablächelt. Die frühere Bildreporterin ließ sich selbst in die mediale Inszenierung einspannen.
Briefe, Fotos, Redemanuskripte und Interviewmitschriften dokumentieren den Aufstieg Kennedys und die Erfolge und Rückschläge der dreijährigen Präsidentschaft. Sie erinnern an die Kuba-Krise und den drohenden Atomkrieg, an das Ringen um den Status von Berlin, den Kampf der amerikanischen Bürgerrechtler und die sozialpolitischen Reformen. Die Texte des Kurators Andreas Etges vom John F. Kennedy-Institut der FU Berlin, der auch für die Kennedy-Ausstellung im Deutschen Historischen Museum 2003 verantwortlich war, bilden ein sachliches Gegengewicht zu den Homestories und suggestiven Fotos in der Ausstellung.
Genau in der Mitte des länglichen Ausstellungssaals, unter dem eleganten Glas-Stahl-Dach, das Licht in den Kellerraum hineinlässt, liegt das Dokument, das die Berliner wohl am meisten interessieren wird: der Zettel mit den deutschen Sätzen, die Kennedy für seine Rede am 26. Juni 1963 vor dem Schöneberger Rathaus einstudierte. Ganz unten in die Ecke hat er den berühmten Satz gekritzelt: „I am a Berliner“.
Natürlich sind auch die Fotos von Kennedy mit Adenauer und Brandt vor der verfremdeten Kulisse des Brandenburger Tors zu sehen: Die DDR hatte die Säulen mit leuchtendroten Stoffbahnen verhängt. Ein Film zeigt die Fahrt des Präsidenten durch Berlin – vorbei am Checkpoint Charlie – und die jubelnden Berliner am Straßenrand. „Kenndey, Kennedy“ ist bis in alle Ecken des Museums zu hören.
Annette Meier
The Kennedys, Pariser Platz 4 a (neben der französischen Botschaft), täglich 10-18 Uhr. 7 €/ermäßigt 3,50 €, Führungen in deutsch und englisch nach Vereinbarung unter Tel. 030/2065 3570.
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