Das Schloss Schönhausen in Pankow wird restauriert
Inmitten einer ruhigen Parkanlage im Norden des heutigen Berliner Bezirks Pankows liegt das kleine Schloss Schönhausen, die ehemalige Sommerresidenz der Königin Elisabeth Christine (1715-1797) und Wohnhaus des ersten DDR-Staatspräsidenten Wilhelms Pieck (1879-1960). Bis das Schloss als Gästehaus und Amtssitz der DDR-Regierung genutzt wurde, diente es Anfang der 1930er Jahre als Ort für Kunstausstellungen; ab 1937 wurde es von der Reichskunstkammer als Depot für „Entartete Kunst“ genutzt. Nun soll das Schloss als Museumsschloss und Ort der Feiern und Begegnungen der Öffentlichkeit wieder zugänglich gemacht werden.
1691 hatte Kurfürst Friedrich III. das zweigeschossige Wohnhaus erworben und, seiner neuen königlichen Würde entsprechend, zehn Jahre später vom Hofbaumeister Johann Friedrich Eosander zu einem prunkvollen Schloss ausbauen lassen. Friedrich der Große schenkte das Schloss Mitte des 18. Jahrhunderts seiner Frau Elisabeth, die hier sommerliche Hof- und Gartenfeste feierte und Empfänge abhielt. 1763 erhielt es durch den grundlegenden Umbau Johann Boumanns d.Ä. seine heutige dreigeschossige Gestalt.
2005 übernahm die Stiftung Preußischer Schlösser und Gärten (SPSG) die Verwaltung des Schlosses Schönhausen. Seit 2006 wird es nun restauriert und soll 2009 in neuem Glanz erstrahlen. Schon jetzt zeigt sich die Fassade wieder im dezenten Alt-Rosa des 18. Jahrhunderts. Der erste Bauabschnitt ist damit abgeschlossen (zu dem neben der Fassadenrenovierung auch die Dachsanierung und Dekontaminierung gehörte), im nächsten Schritt folgen die Innenräume.
Die schwungvoll-elegante Form der drei Stockwerke erschließenden, frei schwingenden Treppe lässt sich hinter der Bauverkleidung momentan nur erahnen, einige Räume vermitteln noch jetzt den Charme dieses „Sommerhäuschens“. Zum Teil sind die Wände bereits bis auf die Grundmauern freigelegt, zum Teil kann man an ihnen noch ablesen, wie sehr das Schloss in seiner fast 350-jährigen Geschichte verändert wurde: Das Badezimmer im ersten Stock zum Beispiel kommt in überraschend poppig-lila Fliesen daher.
Das Prinzip des Restaurierungskonzepts ist anspruchsvoll: Es soll nicht einfach zu den friderizianischen Zeiten zurückgekehrt werden, sondern die wechselhafte Geschichte des Schlosses weiterhin sichtbar bleiben. So wird zum Beispiel das ehemalige Amtszimmer von Wilhelm Pieck auch nach der Restaurierung mit seiner zeittypischen Einrichtung an die DDR erinnern. Zedernholz-Vertäfelungen, Stuckmarmor, eine Fülle von geschnitzten und vergoldeten Spiegelrahmen, Türen und Kamine aus der friderizianischen Epoche werden in den Sälen wieder zum Vorschein kommen. Im Gartensaal zeigen bereits erste restaurierte Probeflächen die einstige Handschrift der Raumgestaltung aus der Zeit der Königin.
An diesem in Berlin einzigartigen Architekturdenkmal des Barock und Rokoko wird deutlich, dass es sich lohnt, auch die kleinen Schlösser Berlins zu pflegen. Der jetzige Zustand der Renovierung verspricht, dass sich der Weg raus nach Niederschönhausen lohnen wird.
Wer vorher schon einen Blick auf die spannende Baustelle werfen möchte, kann dies am Tag des offenen Denkmals am 8. und 9. September tun.
Nina Baß
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