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»Zepterraum« mit Dokumentation zum Markenzeichen der KPM, dem „Blauen Zepter“
Foto: Licht und Schatten GmbH, Erik Bahr
 
 
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Die »KPM-Welt«
 

Ein neues Museum für Berlin

Seit September des vergangenen Jahres ist die Berliner Museumslandschaft um eine Attraktion reicher: In den bis in die Zeit um 1850 zurückreichenden Gebäuden der Königlichen Porzellan-Manufaktur, in unmittelbarer Nachbarschaft zur Produktion, wurde die »KPM-Welt« als Dauerausstellung eröffnet. Dabei wäre das Unternehmen nach einer wirtschaftlichen Talfahrt beinahe von der Bildfläche verschwunden. Man hätte damit ein Kulturgut ohnegleichen preisgegeben – den ältesten noch existierenden Handwerksbetrieb in der Hauptstadt, zudem den einzigen, der hier Luxusgüter für höchste Ansprüche herstellt. Dank des Engagements von Jörg Woltmann, der das Unternehmen im Jahr 2006 vom Berliner Senat übernahm, scheint nunmehr die Sanierung in Sicht.
Im Rahmen des Neuaufbruchs fällt der Ausstellung »KPM-Welt« eine wichtige Rolle zu. Sie dient der Selbstdarstellung einer weit zurückreichenden Tradition und versucht zugleich den Gegenwartsbezug hochwertigen Porzellans zu verdeutlichen. Um den Neuanfang der Berliner Manufaktur zu unterstützen, fanden sich Institutionen, Privatsammler sowie Kunsthändler spontan bereit, kostbare Leihgaben beizusteuern. Dazu zählen auf institutioneller Seite die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg, das Kunstgewerbemuseum der Staatlichen Museen zu Berlin, das Staatliche Museum Schwerin sowie das Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg. Hervorgehoben sei vor allem die Stiftung Stadtmuseum Berlin, Kooperationspartner der KPM. Diese besitzt eine besonders umfangreiche Sammlung Berliner Porzellans, von der mangels Ausstellungsfläche nur ein Bruchteil der Öffentlichkeit zugänglich ist. In Zukunft wird die Stiftung Stadtmuseum jedoch über eigene Projekte innerhalb der »KPM-Welt« davon noch weitaus mehr vorweisen können.
Das Ergebnis dieses glücklichen Zusammenwirkens ist eine Ausstellung, in der anhand von Objekten hoher musealer Qualität ein konzentrierter Überblick über die Entwicklung der KPM seit ihren Anfängen geboten wird. Die Präsentation bindet dabei die Porzellane in ihren jeweiligen Kontext ein und stellt sie mit Hilfe ergänzender Objekte, meist Kunstwerken, und erläuternden Texten in ihren zeitgeschichtlichen Rahmen. So vermittelt sich das facettenreiche Bild König Friedrichs des Großen, der 1763 die Manufaktur gegründet hat, als »prince-philosophe«, als Regent, Literat und Künstler.
Im Mittelpunkt der friderizianischen Epoche stehen jene Tafelservice, die der König selbst in Auftrag gegeben hat, darunter die wohl erlesenste Schöpfung, das erste für das Potsdamer Neue Palais 1765 ausgeführte Service. Zierlichstem Rokoko, wie es gerade für Preußen charakteristisch gewesen ist, begegnet man an einer Vielzahl der hier zusammengeführten Stücke. Anhand weiterer Zeugnisse erfährt der Besucher etwas über die Erneuerung des Kunstgewerbes in der Zeit Karl Friedrich Schinkels, über die Bedeutung der KPM hinsichtlich der Skulptur des Klassizismus, so in Verbindung mit der Prinzessinnengruppe Schadows in Biskuitporzellan, schließlich über jene außergewöhnlichen Dekore des 19. Jahrhunderts in Gold und Malerei, mit denen sich das Berliner Unternehmen in der europäischen Spitze zu behaupten wusste. Überraschend dürfte die Neubewertung sein, die der Historismus mit einer Reihe von Exponaten erfährt – eine Epoche mit erstaunlichen Neuentwicklungen in Bezug auf Glasuren oder die impressionistisch anmutende »Weichmalerei«. Mit Arbeiten des Jugendstils, des Art Déco sowie der anschließenden, von den Designideen des Werkbunds geprägten Phase wird der gerade für die KPM so bezeichnende Schritt in die Moderne nachvollziehbar.
Die »KPM-Welt« dient jedoch nicht nur der Zurschaustellung historischer Porzellane. In der restaurierten Ringkammerofenhalle, einem Technikdenkmal ersten Ranges, trifft man auf eine eindrucksvolle Inszenierung der einzelnen Etappen im Fertigungsprozess des Porzellans – eine Visualisierung in der Art von Assemblagen, die vor allem auch den Anspruch verdeutlichen, nur makellose Qualität gelten zu lassen. Zugleich wird der Blick auf die künstlerische Invention, die Formentwicklung sowie die reichen gestalterischen Möglichkeiten mit Hilfe von Dekor und Malerei gelenkt. Nach einem Gang durch den Modellkeller gelangt der Besucher in eine Arbeitsstätte, in der ihm Tätigkeiten wie Drehen, Garnieren und Bemalen unmittelbar vor Augen geführt werden. Der festlich gestaltete Boccherini-Saal mit einer reich eingedeckten Tafel versetzt ihn schließlich in vergangene Zeiten zurück.
In Zukunft soll sich die »KPM-Welt« zu einem Kontaktforum für die Freunde des Berliner Porzellans entwickeln. In Sonderausstellungen gelangen Einzelthemen wie die Veduten- und Blumenmalerei, künstlerisch-technische Höhepunkte wie auch das Schaffen einzelner für die KPM tätiger Künstler zur Darstellung. Sammlern von Porzellan bietet sich hier die Möglichkeit, ihre Schätze der Öffentlichkeit zu zeigen. Schließlich werden Museen mit eigenen Ausstellungen Gast in den Räumen der »KPM-Welt« sein. Besichtigung und Besuch der Verkaufsräume lassen sich miteinander verknüpfen, sollten Dauer- und Sonderausstellung die Neugierde auf die aktuellen Produkte geweckt haben. Auch lädt ein Café zum Verweilen ein.
Die erste Sonderausstellung im Rahmen der »KPM-Welt« wurde am 1. März eröffnet: »Ostereier der KPM – eine Wunderwelt en miniature« (bis 13. April). In der aktuellen Sonderausstellung »Kreationen von zeitloser Schönheit – Berliner Porzellan der Moderne aus Sammlerbesitz« (bis 3. August) begegnet der Besucher Beispielen, die ihm die Vielfalt der Formerfindungen unter den Manufakturdirektoren Nicola Moufang und Günther von Pechmann vor Augen führen, unter denen Künstler mit großen Namen wie Marguerite Friedländer, Trude Petri, Gerhard Marcks, Gerhard Gollwitzer und Siegmund Schütz tätig gewesen sind. Bei keiner anderen europäischen Porzellanmanufaktur lässt sich eine vergleichbare Aufnahme revolutionär neuer Gestaltungsideen verzeichnen. Zu Recht darf man davon sprechen, dass die KPM selbst einen entscheidenden Beitrag zum Durchbruch der Moderne in Europa geleistet hat. Dies wird mittels hervorragender Leihgaben anschaulich. Einige davon sind Raritäten, selbst Kennern nur aus der Literatur und von Prospekten her bekannt.

Hartmut Krohm

Prof. Dr. Hartmut Krohm, ehemals stellvertretender Direktor der Berliner Skulpturensammlung, war mit dem Aufbau des historischen Teils der »KPM-Welt« beauftragt.

Die »KPM-Welt«, Wegelystraße 1, 10623 Berlin, ist täglich von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Führungen sonnabends und sonntags jeweils um 15 Uhr oder nach Vereinbarung unter Tel. 030-39009-188 oder kpmwelt@kpm-berlin.de.

Aus Heft 2/2008

Aus Heft 2/2008

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